SCHMERZ im RÜCKEN
Vertebralsyndrome
Ein chronischer Schmerz im Rücken stellt aus
volkswirtschaftlicher und vielleicht auch aus menschlicher Sicht das größte
Problem der heutigen Schmerztherapie dar. Man rechnet, daß in Deutschland
jährlich 35 Milliarden Mark für das Problem Rücken schmerz
an Kosten anfallen.
Nach epidemiologischen Schätzungen (= auf Umfragen basierenden
Schätzungen) leidet ca. 85 % der Bevölkerung
westlicher Industriestaaten mind. einmal in ihrem Leben an diesen Beschwerden.
In ca. 10 % wird der Schmerz im Rücken chronisch (= über mehr als 6
Monate anhaltend). 5 % werden zu schmerztherapeutischen
Problemfällen. Diese 5 % der Pat. verursachen 50 % der Gesamtkosten! Für diese
kleine aber äußerst kostenträchtige Gruppe gibt es derzeit in Deutschland
wenig angemessene Behandlungsmöglichkeiten.
Ein Schmerz im Rücken kann verschiedene Wirbelsäulenabschnitte betreffen, entsprechend variiert die Behandlung.
Am häufigsten treten Vertebralsyndrome im Len denbereich auf, da dieser Wirbelsäulenabschnitt großen statisch-dynamischen Belastungen ausgesetzt ist. Ursache ist meist ein sog. Lendenwirbelsäulensyndrom, ein Sammelbegriff für einen Schmerz im Rücken bzw. Kreuz, der aufgrund degenerativer (= abnutzungsbedingter) Wirbelsäule nveränderungen oder statisch-muskulär bedingter Störungen von der Lendenwirbelsäule ausgeht oder den Lendenwir belsäulenbereich betrifft.
Behandlung im Rahmen der therapeutischen Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel):
Infiltrative
Lokalanästhesie zur Schmerztherapie bei einem Schmerz
im Rücken:
Die einfachste diesbezügliche Behandlung besteht in der örtlichen Infiltration
der meist verspannten, an die Wir belsäule angrenzenden
Muskulatur. Je nach
segmentaler Ausdehnung reichen ca. 5-10 ml Bupivacain 0,25% bis 0,5% völlig
aus. Eine weitere Möglichkeit ist bei Schmerz im Rücken die gezielte Infiltration von Triggerpunkten
(= kleine Reizzonen hpts. in den
Muskeln)
nach vorheriger Identifizierung derselben.
Periphere temporäre
(= oberflächliche, zeitlich begrenzte)
Nervenblockaden zur Schmerzbehandlung bei einem Schmerz im Rücken:
Zur
Unterbrechung segmentaler Reflexkreise, aber auch zur Behandlung von
Schmerzausstrahlungen eignen sich bei einem Schmerz
im Rücken Blockaden
(= Betäubungen)
der korrespondierenden Ner venwurzeln (= im Schmerzbereich befindliche
Nervenaustrittstellen neben der Wir belsäule). Im
Lendenbereich auch kontinuierlich mit Katheter*.
Im Bereich der B eine können bei entsprechender radikulärer oder
pseudoradikulärer Schmerzausstrahlung
(= Schmerzen die auf eine tatsächlich oder
scheinbar geschädigte
Nervenwurzel zurückzuführen sind)
der vordere Oberschenkel
nerv (N. femoralis) und / oder der
Ischias
nerv
wiederholt blockiert werden, in hartnäckigen Fällen mit Katheter (* siehe
unten).
Bei Schmerzausstrahlung in den Bereich des seitlichen und inneren
Oberschenkels gelingt mit der sog. 3-in-1-Variante die zusätzliche Betäubung der
Ner ven
obturatorius und cutaneus femoris lateralis, deshalb auch geeignet zur
Behandlung der
Meralgia paraesthetica
(= b rennende
Schmerzen an der
Oberschenkelaußenseite).
Die
lumbale Periduralblockade (=
rückenmarknahe Betäubung im Lendenbereich),
insbesondere kontinuierlich mit Katheter*, ist beim Schmerz
im Rücken bzw. Kre uz eine sehr effektive Behandlung, die allerdings nur unter stationären Bedingungen durchgeführt
werden sollte. Bei technischer Beherrschung, adäquater Lokalanästhetika-Dosierung und Beachtung der hygienischen Belange kann das
Risiko bei der Anzeige "Schmerz im Rücken" als vertretbar eingestuft werden.
Wenn
eine Periduralblockade technisch schwer oder nicht durchführbar ist (z.B. bei
Mißbildungen, Zustand nach operativer Wirbelsäulenversteifung usw.), bietet sich
besonders bei Störungen im Bereich des Plexus sacralis
(= Nervengeflecht im Bereich des Kreuzbeins)
die sog. Kaudalanästhesie (=
rückenmarknahe Betäubung durch einen Kanal im Kr euzbein hindurch)
an, die auch mit Katheter* möglich ist, sofern dieser wegen der der
Gefahr einer Entzündung seitlich unter der Haut mittels einer Untertunnelung
weggeführt wird. Erhöht man die Menge des örtlichen Betäubungsmittels (z.B.
20-25ml Bupivacain 0,1 bis 0,15 %) kann auch der obere Lendenbereich erreicht
werden.
Die allgemeine Behandlung mit Schmerzmittel, Krankengymnastik usw. wird unten beschrieben.
An zweiter Stelle, nach dem Lendenbereich, betrifft ein
Schmerz im Rücken die Halswir belsäule.
Das
Halswirbelsäulensyndrom,
abgekürzt
HWS-Syndrom
(www.hws-syndrom.schmerzklinik.com)
oder auch
Zervikalsyndrom genannt, ist ein Sammelbegriff für ein von der
Halswirbelsäule
ausgehender oder den Halswirbelsäulenbereich betreffender Schmerz. Die mit Abstand häufigste Ursache sind
Störungen im Bereich der gelenkigen
Wirbelverbindungen, die sog. "Wir belblockierungen".
In der Regel klagen die
Patienten über einen Schmerz im
Nacken, der in die
Schulter
n (mittleres Halswir belsäulensyndrom), manchmal bis in die
Arme
(unteres Halswir belsäulensyndrom) und/oder auch in den
Hinterkopf (z.T.
bis zur
Stirn)
(oberes Halswir belsäulensyndrom) ausstrahlen kann. Meist
ist die Mus kulatur neben der
Wir belsäule verhärtet, häufig verbunden mit einer
schmerzhaft eingeschränkten Kopfbeweglichkeit. Vielfach besteht auch
Klopfschmerzhaftigkeit über den Dornfortsätzen der Halswir belsäule.
Behandlung im Rahmen der therapeutischen Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) bei diesem Schmerz im Rücken:
Infiltrative
Lokalanästhesie zur Behandlung der
Vertebralsyndrome:
Die einfachste diesbezügliche Behandlung besteht in der örtlichen Infiltration
der meist verspannten, an die Wir belsäule angrenzenden
Mus kulatur. Je nach
segmentaler Ausdehnung reichen ca. 5-10 ml Bupivacain 0,25% bis 0,5% völlig
aus. Eine weitere Möglichkeit ist bei einem Schmerz
im Rücken die gezielte Infiltration von Triggerpunkten
(= kleine Reizzonen hpts. in der Mus kulatur)
nach vorheriger Identifizierung derselben.
Bei Schmerzausstrahlung in den Kop f werden am
Hinterkop f die Okzipitalnerven wiederholt blockiert.
Periphere temporäre
(= oberflächliche, zeitlich begrenzte) Nervenblockaden:
Schmerzausstrahlungen in Schul ter/Ar m, wie sie
beim mittleren/unteren
Zervikalsyndrom in typischer Weise vorkommen, sprechen zufriedenstellend auf die
wiederholte hohe Blockade des Plexus brachialis
(= Betäubung des Armnervengeflechts im seitlichen
Halsbereich) nach Winnie an.
Technisch risikoärmer und oft besser wirksam ist jedoch die
kontinuierliche, retrograd hohe Plexus brachialis-Blockade
mit Katheter (*siehe unten).
Eine allgemeine Behandlung
mit Schmerzmittel, Krankengymnastik usw. wird unten beschrieben.
Das
Brustwirbelsäulensyndrom ist ein Sammelbegriff für
einen Schmerz im Rücken, der von der
Brustwirbelsäule ausgeht oder den Brustwirbelsäulenbereich
betrifft.
Von den Abschnitten der Wir belsäule ist die BWS hinsichtlich einem Schmerz prozentual am wenigsten betroffen. Statisch-dynamische
Faktoren spielen hier eine untergeordnete Rolle, es dominieren reflektorische
(= von einem anderen erkrankten Organ ausgehende, reflexartige)
Störungen, hauptsächlich im myofaszialen
(= Mus keln und deren Gewebsumhüllung
betreffenden)
System. Nicht selten sind auch
Interkostalnerven
(= Zwischenrippenner ven)
im Sinne einer pseudoradikulären Symptomatik
(= Krankheitszeichen, die von einer scheinbar
gestörten Ner venwurzel ausgehen) beteiligt. Eine
radikuläre Symptomatik
(= Krankheitszeichen, die von einer tatsächlich
gestörten Ner venwurzel ausgehen) kann leicht übersehen werden, da z.B. bei motorischen
(= die Muskelfunktion betreffenden)
Ausfällen kaum eine körperliche Beeinträchtigung eintritt, es sei denn, es sind
mehrere
Interkostalner ven
(= Zwischenrippenner ven)
betroffen, was dann zu einer Störung der Lungenfunktion führen kann.
Behandlung im Rahmen der therapeutischen Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika):
Infiltrative
Lokalanästhesie:
Die einfachste diesbezügliche Behandlung besteht in der örtlichen Infiltration
der meist verspannten, an die Wir belsäule angrenzenden
Muskulatur. Je nach
segmentaler Ausdehnung reichen ca. 5-10 ml Bupivacain 0,25% bis 0,5% völlig
aus. Eine weitere Möglichkeit ist die gezielte Infiltration von Triggerpunkten
(= kleine Reizzonen hpts. in der Mus kulatur)
nach vorheriger Identifizierung derselben.
Periphere temporäre
(= oberflächliche, zeitlich begrenzte)
Nervenblockaden bei Schmerz im Rücken:
Bei peripheren
(=
oberflächlichen) Schmerzprojektionen entlang der Interkostalner ven
(=
Zwischenrippenner ven)
besteht
die Behandlung in wiederholten
Interkostalblockaden
mit einem
örtlichen Betäubungsmittel. In hartnäckigen Fällen kann die Blockadefrequenz durch
Implantation eines Katheters (* siehe unten) erhöht werden.
Medikamentöse Schmerzbehandlung bei Vertebralsyndrome:
Akut und subakut können bei einem Schmerz im Rücken
zunächst (vorwiegend)
peripher wirkende Analgetika
(= Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken)
eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale Antirheumatika (=
Rheumamittel),
aus dieser Gruppe möglichst langwirkende und magenschonende wie z.B.
Mobec®.
Besonders magenschonend und auch entzündungshemmend sind die sog. COX-2
Inhibitoren, z.B. Parecoxib (Dynastat®)
oder Etoricoxib (Arcoxia®),
allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden
zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib
und
Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon andere
Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Bei stärkeren
schmerzhaften Muskelverspannungen können darüber hinaus auch Muskelrelaxanzien
(= Mittel zur Muskelentspannung) (z.B.
Norflex®, Mydocalm®) verordnet werden.
Manchmal ist aber ein Schmerz im Rücken nur
mit zentralwirkenden Analgetika (z.B. Tramadol, Valoron N® oder
gar Morphin)
(= im Gehirn bzw. Rückenmark wirkende
Schmerzmittel)
beherrschbar.
Grundsätzlich sollte aber auch diesem
Schmerz eine längerfristige
Behandlung mit Schmerzmittel wegen der Gefahr der Gewöhnung oder gar
Abhängigkeit
vermieden werden.
Die Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva
(= Mittel gegen Depression,
u.a. aber auch zur Rücken-Schmerz - Behandlung geeignet)
(z.B. Doxepin, Maprotilin) hilft in vielen Fällen Schmerzmittel
einzusparen.
Physikalische Behandlung der Vertebralsyndrome:
Auch die Elektrostimulation kann eine Beschwerdelinderung herbeiführen.
Die transkutane
Nervenstimulation mit Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS)
hat den Vorteil, daß die Patienten bei Bedarf die Behandlung selbst
durchführen können. Die
Elektroden werden paarig neben der Wir belsäule im Schmerzbereich aufgeklebt.
Durch Veränderung der Stimulationsfrequenz und der Elektrodengröße kann die
Wirkung optimiert werden.
Die elektrische epidurale Rückenmarksstimulation
erfordert eine strenge Patientenauswahl.
Eine weitere physikalische Behandlung bei Schmerz im Rücken ist die oberflächliche Kältetherapie im
Schmerzbereich. Wir verwenden einen elektrischen Kaltluftgenerator, dessen
Luftstrom auf ca. -10 bis -15 Grad C abgekühlt ist. Manche Patienten mit einem
Schmerz im Rücken
empfinden allerdings lokale
Wärmeapplikationen (Rotlicht) als besser wirksam. Warme Bäder können
ebenfalls einen Schmerz im Rücken lindern.
Die Verordnung von Massagen ist auch bei einem Schmerz im Rücken nicht sinnvoll. Für den Patient
mag diese Behandlung zwar angenehm sein, aber unter schmerztherapeutischem
Aspekt bringt sie nichts und führt nur zu unnötigen Kosten.
Nahezu unverzichtbar ist aber bei einem Schmerz im Rücken die
heilgymnastische Behandlung, da meist nur diese geeignet ist, einen
ärztlichen Behandlungserfolg zu sichern und längerfristig zu stabilisieren. Dabei gilt es,
die Mus kulatur neben der
Wir belsäule zu trainieren, da auf Dauer nur eine
kräftige/suffiziente Mus kulatur eine statische und dynamische Schwäche des
Achsenorgans kompensieren kann.
Besonders bei akuten Blockierungen hat die
manuelle Behandlung (Chirotherapie) bei der Anzeige „Schmerz im Rücken“
durchaus gute Erfolge aufzuweisen. Bei schmerzhaften degenerativen
(= durch Abnutzung hervorgerufenen)
Veränderungen der Wir belsäule wird auch eine Röntgenbestrahlung empfohlen
(Thomalske 1991). Die Magnetfeldtherapie kann einen Schmerz im Rücken
ebenfalls lindern.
Andere Therapiemaßnahmen:
Der Vollständigkeit halber darf die
Akupunktur nicht unerwähnt bleiben.
Wichtig
sind individuelle Instruktionen zur richtigen Haltung und Vermeidung von
übermäßigen Wirbelsäulenbelastungen (funktionelle Ergotherapie bzw. Rücken-Schule). Darüber hinaus ist anzustreben, daß die betroffenen Patienten
Übungen zur Lockerung der Mus kulatur erlernen.
Die Verordnung von Hilfsmitteln
wie z.B. stabilisierende Korsette sollten dem Orthopäden vorbehalten sein.
Hypnoide (=
bewußtseinsverändernde)
Verfahren wie autogenes Training oder
progressive Relaxation nach Jakobson sind auch bei einem Schmerz im Rücken eine
sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie, da auch sie zu einer muskulären
Entspannung führen, ebenso Biofeedback
(= Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale).
Eine psychologisch
/ psychotherapeutische Behandlung
kann beim ausgeprägten "psychosomatischen Schmerz" angezeigt sein, da auch
verdrängte Konflikte muskuläre Verspannungen und Schmerzen verstärken können.
Bei einem längerfristig bestehenden Schmerz im Rücken ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.
Anhang Blockadetechniken
*
Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird der dünne
Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Ner ven
eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle
hindurch, es muß also nicht „aufgeschnitten“ werden. In der Folge wird über
diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen
Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt. In
bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittel durch
den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Das örtliche
Betäubungsmittel wird bei dieser Behandlung so dosiert, dass die grobe Kraft
erhalten bleibt (bei gleichzeitiger Hemmung der Schmerzreizleitung), damit
begleitend eine krankengymnastische Behandlung möglich bleibt.
Dass die
schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus
anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch
die sog. vegetativen Ner ven
betroffen sind, woraus eine sehr deutliche
Durchblutungssteigerung resultiert. Dies ist der Grund, warum diese
Behandlungsmethode besonders bei Schmerzen, die durch entzündliche aber auch
degenerative Prozesse
entstanden sind, hilfreich ist.
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